Die Rio plus 20-Konferenz beginnt in zehn Tagen. Bis zu 50.000 Menschen werden zur UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro erwartet: Regierungsvertreter, Zivilgesellschaft und Wirtschaftsleute treffen sich, um gemeinsam zu beraten, wie Armut eingedämmt, soziale Gerechtigkeit gefördert und mehr Umweltschutz gewährleistet werden kann. Green Economy ist dabei in aller Munde. Ethik und Spiritualität als motivierende Kräfte zur Förderung nachhaltiger Entwicklung bilden den roten Faden des Bahai-Beitrags.
Der Earth Summit von 1992 in Rio de Janeiro war eine der größten Veranstaltungen, die die Vereinten Nationen je initiierten. Zwanzig Jahre später treffen sich führende Vertreter und Vertreterinnen ihrer Bereiche aus der ganzen Welt abermals in Rio, um über den Weg zu nachhaltiger Entwicklung zu beraten.
„In manchen Bereichen haben wir seit damals bedeutende Fortschritte erzielt”, meint Peter Adriance. Er nahm für die weltweite Bahai-Gemeinde schon 1992 am Earth Summit teil. „Viele Menschen können sich mittlerweile unter dem Begriff nachhaltige Entwicklung etwas vorstellen. Einzelne Gemeinden, Unternehmen und Einrichtungen haben neue und innovative Ansätze gefunden, um den Herausforderungen von Nachhaltigkeit zu begegnen.”
“Viele Dinge sind dringlicher als vor zwanzig Jahren!”
Doch der US-Amerikaner weiß auch: „Andererseits haben viele Dinge eine viel größere Dringlichkeit als vor zwanzig Jahren. Manches Problem ist bisher noch nicht gelöst, während sich der Klimawandel und die weltweite Wirtschaftskrise verstärkt haben.“ Seit vielen Jahren engagiert sich Adriance als Bahai im International Environment Forum (IEF), einer von den Lehren der Bahai-Religion inspirierten Umwelt– und Nachhaltigkeitsorganisation.
May Akale und Daniel Perell haben den Vorsitz der dreizehnköpfingen Delegation der Internationalen Bahai-Gemeinde bei der Rio-Konferenz inne. Sie vertritt die weltweit rund sechs Millionen Anhänger der Bahai-Religion als akkreditierte Nicht-Regierungsorganisation bei den Vereinten Nationen. May Akale und Daniel Perell arbeiten beide im New Yorker Büro der Bahai, weitere Büros bestehen in Genf und in Brüssel. „Eines unserer Hauptanliegen ist es, mit anderen Teilnehmern über die moralischen und ethischen Prinzipien zu sprechen, die den Bemühungen zugrunde liegen, die Extreme von Armut und Reichtum zu beseitigen und die Umwelt für die zukünftigen Generationen zu erhalten“, sagt May Akale. Sie war bereits Fellow der Women’s Environment and Development Organization (WEDO) und vertrat die Bahai bei verschiedenen Gelegenheiten innerhalb der Vereinten Nationen.
Was heißt es, Teil der menschlichen Familie zu sein?
„Es ist unser Ziel, die grundsätzlichen Aspekte nachhaltiger Entwicklung zu besprechen”, fügt ihr Kollege Daniel Perell hinzu. „’Was heißt es, Teil der menschlichen Familie zu sein?’ oder ‘Wie beeinflusst dies unser tägliches Leben oder die Führungsinstitutionen der Welt?’ sind beispielsweise solche Fragen.“
Die Internationale Bahai-Gemeinde hat hierfür eigens eine Stellungnahme eingebracht. Auch wird sie sich an verschiedenen Veranstaltungen im Rahmenprogramm der UN-Konferenz beteiligen: am 13. Juni mit zwei Veranstaltungen zu den Themen „Extremer Reichtum und extreme Armut in der Green Economy” und “Synergien zwischen religiösen Werten und Bildung für nachhaltige Entwicklung”. Bei der gleichzeitig stattfindenden Jugendkonferenz Youth Blast sind sie ebenfalls dabei. Die Internationale Bahai-Gemeinde sponsert einen interaktiven Workshop zur “Verantwortung im Kontext nachhaltiger Entwicklung“.
Auch die brasilianische Bahai-Gemeinde wird zwei Veranstaltungen ausrichten, und zwar beim People’s Summit, einer parallel stattfindenden Konferenz der Zivilgesellschaft. Dabei werden die geistigen Prinzipien für Entwicklung und die Rolle der Religionen angesprochen. Ferner nehmen die Mitglieder des International Environment Forum (IEF) an Treffen der Konferenz teil, darunter am Research Forum on Sustainable Consumption and Production des wissenschaftlich ausgerichteten Global Research Forum on SCP und am Forum on Science, Technology and Innovation for Sustainable Development des Internationalen Wissenschaftsrates. (BWNS, Foto: UN Photo/Gill Fickling/Fair Use)
