Gregorianische Musik hat für Vahid Matejko eine große beruhigende und meditative Wirkung. Dem 30-jährigen Diplomkomponisten, Arrangeur und Produzenten schwebte daher schon länger die Idee vor, selbst eine CD mit eigenen Stücken dieser besonderen Melodien zu entwickeln. Vor wenigen Wochen war es so weit: Pünktlich zur Musikmesse in Frankfurt hat er ein Paket – bestehend aus CD und Buch – herausgebracht, das in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist.
von Nadja Hoffmann-Heidrich
Als Angehöriger der Bahai-Religion, deren regionales Zentrum in Kroppach zu finden ist, hat der Altenkirchener Matejko ein besonders tolerantes und aufgeschlossenes Verhältnis zu den anderen Weltreligionen. Während gregorianische Gesänge, die als Wiege der abendländischen Musik bezeichnet werden, ihrem Ursprung nach eng mit dem Katholizismus verbunden sind, enthalten die von dem 30-Jährigen komponierten Werke “Ubi est amor” (Wo ist Liebe) und “Credo in unum deum” (Glaube an einen Gott) nicht nur spirituelle Texte aus dem Christentum, sondern auch aus dem Hinduismus, dem Judentum, dem Buddhismus, dem Islam und der Bahai-Religion. “Gregorianische Gesänge berühren mich auch inhaltlich. In ihnen kommt ein tiefer Glauben zum Ausdruck”, sagt Matejko.
“In den Gesängen kommt ein tiefer Glaube zum Ausdruck”
Mit seiner Produktion möchte er dieser Musik seinen Respekt und seine Wertschätzung erweisen und sie gleichzeitig Mitgliedern anderer Religionen ebenfalls zugänglich machen. So besteht beispielsweise “Credo in unum deum” aus Lobpreisungen Gottes aus den unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die, so Matejko, dennoch alle ähnlich klingen. Hinduismus, Judentum, Buddhismus, Christentum, Islam und Bahai sei gemein, dass sie den Menschen anweisen, liebevoll mit seinen Mitmenschen umzugehen, schreibt der Komponist im Vorwort zu diesem Stück.
Ungewöhnlich ist aber ebenso die Form der Aufbereitung seines musikalischen Paketes. Die CD ist nämlich nicht nur zum Hören und zum Genuss der Melodien gedacht, sondern auch als Übung für Chöre. So sind die Werke (neben den zwei neuen auch das aus dem 7./8. Jahrhundert stammende Stück “In Paradisum”, das Matejko neu arrangiert hat) nicht nur als Komplettversionen zu hören, sondern auch hintereinander unter besonderer Hervorhebung der einzelnen Stimmlagen. Die Noten und Texte (sowie Erläuterungen und Hintergründe) findet man in dem dazugehörigen Buch. “So können Chormitglieder, die die Lieder nachsingen möchten, ihre Stimme auch einzeln zu Hause proben”, erklärt Matejko. Die Aufnahme auf der CD hat das Vokalensemble Constant unter dem Dirigat von Harald Jers in der Epiphaniaskirche in Köln eingesungen.
Gregorianische Gesänge für gemischten Chor
Gewidmet hat Matejko diese Produktion seiner 2011 verstorbenen, geliebten Tante Fouruhid Hakim, die als Angehörige der Bahai in ihrer Heimat Iran verfolgt wurde und die schließlich nach Deutschland floh. In beiden Ländern engagierte sich die Verstorbene für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien und setzte sich für ein gutes Verhältnis zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen ein. “Ihr Geist war während des gesamten Projektes spürbar”, erklärt Matejko voller Dankbarkeit.
Buch und CD “Gregorianische Gesänge für gemischten Chor” sind im Zehnerpack (für Chöre) für 19,80 Euro im Musik- und im Buchhandel sowie über die Internetseite http://www.vahid.eu/ erhältlich. Auf der Seite findet man auch einen Überblick über die weiteren Arbeiten Vahid Matejkos.
Nadja Hoffmann-Heidrich ist Redakteurin der Westerwälder Zeitung, der regionalen Ausgabe der Rhein-Zeitung aus Koblenz. Wir veröffentlichen den Text, der in der Westerwälder Zeitung am 11. August 2012 erschien, mit freundlicher Genehmigung.