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		<title>Jugend bewegt die Welt</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 15:37:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peter.amsler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung & Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[95 Konferenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Yan Yagunov]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen Juli und Oktober 2013 organisiert die weltweite Bahá&#8217;í-Gemeinde an 95 Orten rund um den Globus Veranstaltungen speziell für junge Menschen, so auch vom 2. bis 4. August in Frankfurt am Main. Damit wird das herausragende Engagement gewürdigt, das Jugendliche in der Altersgruppe von fünfzehn Jahren bis in ihre Zwanziger für einen gemeinwohlorientierten Dienst leisten [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a class="post_image_link" href="http://www.onecountry.de/2013/04/jugend-bewegt-die-welt/" title="Permanent link to Jugend bewegt die Welt"><img class="post_image alignleft" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2013/04/core-activities-108.jpg" width="570" height="321" alt="Post image for Jugend bewegt die Welt" /></a>
</p><p><em><strong>Zwischen Juli und Oktober 2013 organisiert die weltweite Bahá&#8217;í-Gemeinde an 95 Orten rund um den Globus Veranstaltungen speziell für junge Menschen, so auch vom 2. bis 4. August in Frankfurt am Main. Damit wird das herausragende Engagement gewürdigt, das Jugendliche in der Altersgruppe von fünfzehn Jahren bis in ihre Zwanziger für einen gemeinwohlorientierten Dienst leisten &#8211; &#8220;zur geistigen und sozialen Entwicklung der sie umgebenden Menschen &#8230;, vor allem derer, die jünger sind als sie selbst.&#8221; Dieses Engagement der Jugend findet statt im Rahmen eines systematisch umgesetzten Planes sogenannter Kernaktivitäten. Damit befähigen sich Bahá&#8217;í und andere, eine Kraft für die Gestaltung des eigenen Umfeldes sowie der Gesellschaft zu sein. Yan Yagunov (23) aus Mainz  erläutert in diesem Essay, wie er die verantwortungsvolle Rolle der Jugend für einen notwendigen gesellschaftlichen Wandel sieht. Er </strong></em><strong><em>macht ein Gedankenexperiment. </em></strong></p>
<p><strong>von Yan Yagunov*<br />
</strong></p>
<p>Stellen wir uns vor, auf der ganzen Welt sterben morgen alle Erwachsenen und es bleiben nur noch Jugendliche übrig. Sie würden verantwortlich sein für alle Geschicke der Menschheit – von alltäglichen Belangen bis zur Organisation ganzer Staaten. Diese Jugendlichen würden sich nicht stark von den zuvor verstorbenen Erwachsenen unterscheiden. Es sei denn, sie haben vorher bereits eine gemeinsame Vision geschaffen, aufgrund welcher sie nicht die Fehler der Erwachsenen wiederholen und somit in der Lage sind, eine Welt zu errichten, die auf Frieden und Einheit gründet.</p>
<p>Dieses Gedankenexperiment macht deutlich, wie wichtig die Jugend jeder Generation ist. Denn der Zeitgeist der heutigen Jugend ist der Zeitgeist der künftigen Welt. Wenn die Jugend sich heute darauf fokussiert, sich möglichst viel Reichtum anzueignen und ihre eigenen Belange den Belangen ihrer bedürftigen Mitmenschen vorzuziehen, dann wird einige Jahrzehnte später die gesamte Welt von diesem Denken regiert werden. Denn die Jugend von heute ist die Regierung von übermorgen.</p>
<p><strong>Der Zeitgeist der heutigen Jugend ist der Zeitgeist der künftigen Welt</strong></p>
<p>Es liegt also an uns, viel Zeit und Energie in die Erziehung der heutigen Jugend zu investieren, damit sie sich als Individuen und als Gruppen höhere Ziele setzen als die Führer und Herrscher der heutigen Welt. Es liegt auch an uns, uns selbst und der Jugend klar zumachen, dass gerade die Jugend die Welt bewegen kann, dass gerade sie in der Lage ist, bedeutende und nachhaltige Eingriffe zum Wandel und Fortschritt der Menschheit – und somit der ganzen Welt – beizutragen.</p>
<p>Während der moralisch zerrüttete Zustand der heutigen Gesellschaft größtenteils als ein unveränderliches Spiegelbild der fehlerhaften menschlichen Natur hingenommen wird, ist es umso wichtiger, dass die Jugend jeder Generation aus den Ketten dieser einschüchternden Illusion befreit wird. Sie muss sich erheben, dieses Dogma zu brechen und ihren Teil zur Besserung der Welt beizutragen. Bei keinesfalls utopischen Bemühungen und Anstrengungen bedarf es nur einige wenige Generationen, um die leidvolle Gesellschaft, in der wir gerade leben und über die wir uns tagtäglich beschweren, grundlegend zu verändern.</p>
<p><strong>Aus vielen kleinen Tropfen wird eine Welle<br />
</strong></p>
<p>Das Beruhigende ist, dass es überall auf der Welt sehr motivierte Jugendliche gibt, die es satt haben, ein Teil dieses Dogmas zu sein. Sie haben es satt, von Ungerechtigkeit, Perspektivlosigkeit und Entfremdung benebelt und in ihrer eigenen Entfaltung ausgebremst zu werden. Diese Jugendlichen benötigen eine gemeinsame Plattform, auf der sich jeder – ganz egal, welchen kulturellen und religiösen sowie geographischen Hintergrunds oder Alters – einfinden kann. Sie muss Raum bieten für die Vielfalt der Gedanken und Erfahrungen; eine Plattform, die nicht steif und unabänderlich ist, sondern sich flexibel jedem Bedürfnis anpasst und dynamisch mit der Zeit wächst, ohne dabei den roten Faden oder das Ziel – nämlich den zweifachen untrennbaren Prozess des Erweiterns des eigenen Bewusstseins und des Wandels der Gesellschaft – aus den Augen zu verlieren.</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir können unser Herz nicht von unserer Umwelt trennen, die uns umgibt, und behaupten, dass alles sich zum Besseren verändert, wenn erst einmal eins von diesen beiden neu gestaltet ist. Der Mensch ist organisch mit der Welt verbunden. Sein inneres Leben gestaltet die Umwelt und wird zutiefst von ihr beeinflusst. Eines wirkt auf das andere, und jede bleibende Veränderung im Leben des Menschen ist das Ergebnis dieser Wechselwirkungen.&#8221; – Shoghi Effendi</p></blockquote>
<p>Diese Plattform ist essenziell, denn viele kleine Tropfen richten nichts aus. Es bedarf eines gemeinsamen Strangs, an dem jeder zieht, damit aus diesen vielen kleinen Tropfen eine unaufhaltbare Welle wird. Die Zeiten, in denen Einzelkämpfer Siege errangen, sind lange vorbei. In einer Welt, die als ein Dschungel von unzähligen voneinander unabhängigen Ideologien und Bewegungen betrachtet werden kann, brauchen wir deshalb Menschen, die sich gemeinsam einem Ziel widmen, auf eben jener gemeinsamen Plattform.</p>
<p><strong>Ein strukturierter individueller und kollektiver Wandel</strong></p>
<p>Diese unverzichtbaren Kriterien finden wir in den Aktivitäten der weltweiten Bahá’i-Gemeinde wieder. Bahá&#8217;í haben sich über die letzten Jahrzehnte die Plattform und die Werkzeuge geschaffen, die diesen zweifachen Wandel – individuell und kollektiv – unter Berücksichtigung aller oben genannten Punkte zu verwirklichen suchen. Die rasche Zunahme an Mitmachenden, verstreut über den gesamten Erdball, und der täglich wachsende Erfolg selbst in unzumutbaren Gegenden demonstrieren wunderbar die Ergebnisse. Diese Errungenschaften wurden ermöglicht durch einen systematisch umgesetzten Plan sogenannter Kernaktivitäten, der in seinen Grundzügen Anfang der 1970er Jahre zur Wiederbelebung des ländlichen Raums Kolumbiens  und somit zur Prävention von Kriminalität und Armut von einigen Bahá’i entwickelt wurde.</p>
<blockquote><p>&#8220;Für jeden Menschen [...] sind es die Jugendjahre, in denen er die meisten Entscheidungen trifft, die seinen Lebenslauf bestimmen. In diesen Jahren wird er wahrscheinlich seinen Beruf wählen, seine Ausbildung vollenden, anfangen, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, heiraten und eine Familie gründen. Am allerwichtigsten jedoch ist, dass der Geist in dieser Zeit besonders auf der Suche ist und dass die geistigen Werte übernommen werden, die das zukünftige Verhalten des Menschen leiten werden.&#8221; – Universales Haus der Gerechtigkeit</p></blockquote>
<p>Dieser <a href="http://bahai.de/mitmachen/nachbarschaften-staerken.html" target="_blank">Entwicklungsprozess</a>, der auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene egal welcher Weltanschauung zugeschnitten ist, hat zum Ziel, die Menschen zu befähigen zum sozialen, moralischen und kulturellen Fortschritt ihres Gemeinwesens beizutragen. Dafür wurde für jede dieser drei Altersklassen spezielles Material konzipiert, das aufeinander aufbaut und sich in ständiger Entwicklung befindet. Dieses Material beinhaltet praktische Teile, sodass man schon während des Prozesses beginnt, zum entscheidenden Wandel seines unmittelbaren Umfeldes beizutragen. Die theoretischen Grundlagen, auf denen der Prozess aufbaut, sind die Schriften Bahá’u’lláhs, die getragen werden von der Lehre und der Vision der Einheit der Menschheit in ihrer Vielfalt.</p>
<p><strong>Ist unser Leben nicht einem höheren Ziel untergeordnet?</strong></p>
<p>In jedem Land befinden sich Menschen – ganz besonders Jugendliche – in diesem Entwicklungsprozess und wenden das Programm an, um eine stark materialistisch geprägte und zunehmend demoralisierte Gesellschaft von Grund auf umzugestalten. Die Vision ist eine Welt, deren Kultur durch die Einheit in der Vielfalt, durch Dienst am Gemeinwohl und durch Brüderlichkeit ausgezeichnet ist. Während heutzutage der Trend vorherrscht, das Hauptaugenmerk auf das Individuum zu legen, wird mit diesen Werkzeugen weltweit der Fokus auf das Wohlergehen der Gemeinschaft gelegt, was selbstverständlich ein gesundes und ausgeglichenes Bewusstsein des Individuums impliziert und diesem den nötigen Raum zur Entfaltung gewährt.</p>
<p>Jeder ist herzlich eingeladen, Teil dieses aufsteigenden Prozesses zu werden. Er beginnt damit, dass man sich seiner wahren Identität als eine mit Vernunft begabte Seele bewusst wird und darüber nachsinnt, ob das Leben wirklich nur aus Essen, Trinken und Schlafen besteht. Ist unser Leben nicht einem höheren Ziel untergeordnet? Sollten unsere Lebensziele wirklich nur uns und damit nicht allen zu Gute kommen?</p>
<p>Jede Generation junger Menschen hat die Macht in ihrer Hand, die Erde in einen Ort zu verwandeln, dessen Erben – zu denen unsere Kinder und Enkel gehören können – sich nur schwer vorstellen können, in was für einer verwirrten und abgelenkten Gesellschaft wir gerade leben.</p>
<p><em>*Yan Yagunov ist 23 Jahre alt und lebt in Mainz. Er arbeitet hauptberuflich als Mediendesigner, nebenbei produziert er Musik.</em></p>
<p><em>Die Orte der 95 Jugendkonferenzen der Bahá&#8217;í, die zwischen Juli und Oktober 2013 auf Einladung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, der höchsten Körperschaft der weltweiten Bahá&#8217;í-Gemeinde mit Sitz in Haifa, Israel, abgehalten werden, finden sich <a href="https://maps.google.ca/maps/ms?ie=UTF8&amp;oe=UTF8&amp;msa=0&amp;msid=216382826970153513427.0004d538adacec896c1f9" target="_blank">hier auf einer Karte</a>. (Foto: Marco Abrar) </em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Religionen beten für den Frieden</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jan 2013 11:28:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peter.amsler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialog der Religionen]]></category>
		<category><![CDATA[Christiane Noltenius]]></category>
		<category><![CDATA[Ferdinand Rogge]]></category>
		<category><![CDATA[Jens Böhrnsen]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Krzizanowski]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Jahren 1998 und 1999 tobte im Kosovo ein erbitterter Krieg um die Unabhängigkeit der Provinz von Serbien. Muslimische Kosovo-Albaner und christlich-orthodoxe Serben standen sich gegenüber. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker waren Hunderttausende auf der Flucht. Etwa 650 Ortschaften wurden beschädigt oder zerstört. Die Bahá&#8217;í-Gemeinde in Bremen wollte sich damit nicht abfinden. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a class="post_image_link" href="http://www.onecountry.de/2013/01/religionen-beten-fur-den-frieden/" title="Permanent link to Religionen beten für den Frieden"><img class="post_image alignleft" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2013/01/2012-09-01-23.35.47-e1359545157502.jpg" width="570" height="320" alt="Post image for Religionen beten für den Frieden" /></a>
</p><p><strong><em>In den Jahren 1998 und 1999 tobte im Kosovo ein erbitterter Krieg um die Unabhängigkeit der Provinz von Serbien. Muslimische Kosovo-Albaner und christlich-orthodoxe Serben standen sich gegenüber. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker waren Hunderttausende auf der Flucht. Etwa 650 Ortschaften wurden beschädigt oder zerstört. Die Bahá&#8217;í-Gemeinde in Bremen wollte sich damit nicht abfinden. Zusammen mit anderen Bremer Kirchen und Religionsgemeinschaften wollten die Bahá’í ein Zeichen des Friedens setzen. Bis heute treffen sie sich zum interreligiösen Friedensgebet im Bremer Rathaus. Zuletzt luden Aleviten, Bahá’í, Buddhisten, Christen, Vertreter des Hinduismus, des Islam und des Judentums für den 20. Januar alle Bremerinnen und Bremer zu einem Gebet für den Frieden ein.</em></strong></p>
<p>von Ferdinand Rogge</p>
<p>Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen war am 20. Januar Schirmherr des Friedensgebetes der Religionen. Dies sei ihm ein persönliches Anliegen, betonte er bei seiner Begrüßungsrede vor den mehr als einhundert Anwesenden. „Ich freue mich, dass diese Veranstaltung seit vielen Jahren im Rathaus stattfindet“, sagte Böhrnsen, der auch schon in den Jahren zuvor das Anliegen der Religionen unterstützte.</p>
<p>Nach einer musikalischen Einstimmung traten nacheinander die Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Religionen in alphabetischer Reihenfolge nach vorne, um ihre Gebete zu sprechen. Zwischen den Beiträgen trugen junge Menschen je eine brennende Kerze ans Podium. Daran schloss sich eine Schweigeminute an.</p>
<p><strong>Vielfalt des Betens erleben</strong></p>
<p>Die Bremer Senatsverwaltung schrieb im Vorfeld in einer <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.senatspressestelle.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen146.c.60238.de">Mitteilung</a></span>: „Dem interreligiösen Arbeitskreis „Religionen beten“ geht es vor allem darum, dass sich Menschen unterschiedlichen Glaubens einander respektvoll wahrnehmen und jeder Interessierte die Möglichkeit hat, die Vielfalt des Betens im Rahmen einer gemeinsamen Friedensandacht zu erleben.“</p>
<p>„Die Bahá’i-Gemeinde freut sich sehr, dass sich aus ihrem ersten Anstoß im April 1999 eine so langlebige Veranstaltungsreihe entwickelt hat“, meint Christiane Noltenius aus der Bahá’í-Gemeinde in Bremen. „Die Förderung des friedlichen Zusammenlebens aller religiösen Gemeinschaften und die Gleichwertigkeit der Religionen gehört zu den grundlegenden Lehren Bahá’u’lláhs, des Stifters der Bahá’i-Religion.“</p>
<p><strong>Engagierte der ersten Stunde</strong></p>
<p>Vor dem Hintergrund des Kosovokrieges reagierte 1999 der damalige Dechant der katholischen Kirche im Bremer Ortsteil Grohn, Pfarrer Wolfgang Krzizanowski, auf die Anfrage der Bahá’í-Gemeinde sogleich positiv. Zusammen mit Christiane Noltenius und dem evangelischen Pastor Keller bildeten diese drei Personen das erste Organisationsteam. Zu den weiteren Mitgliedern der ersten Stunde gehörten neben dem Muslim Mehmet Kilinc auch Nepal Lodh von der Hindu-Gemeinde und Michael Sabaß aus dem Buddhismus. Später erweiterte sich der Kreis auch um Vertreter des Judentums und der Aleviten.</p>
<p>Im Januar 2000 konnte schließlich in Bremen-Nord die erste „Interreligiöse Friedensandacht“ stattfinden. Mit dem Haus Blomendal wurde bewusst ein religiös neutraler Ort gewählt. Seitdem zieht das interreligiöse Friedensgebet alljährlich im Januar mehrere Hundert Menschen an – seit 2005 im Bremer Rathaus, und nun umbenannt in „Religionen beten für den Frieden“.</p>
<p><strong>Informationsabende</strong></p>
<p>Zusätzlich zur Friedensandacht werden alljährlich im Herbst Informationsabende organisiert, um sich gegenseitig besser kennenzulernen und dies auch der interessierten Öffentlichkeit zu ermöglichen. Den Beginn machten drei Abende, die im November 1999 im Bürgerhaus Vegesack stattfanden. Vertreterinnen und Vertreter der an der Friedensandacht beteiligten Religionen sprachen zu verschiedenen Themen und stellten sich den Fragen aus dem Publikum. Seit 2003 finden diese Abende in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bremen-Nord und der Stadtbibliothek Vegesack statt. Auch daran ist Christiane Noltenius als Vertreterin der Bahá’í-Gemeinde in Bremen beteiligt.</p>
<p>„Nicht wenige Menschen sehen in Religion eher eine Lunte, die Selbstüberschätzung, Verachtung des Friedens und Hass entfacht“, begründet der katholische Geistliche Wolfgang Krzizanowski gegenüber der Nachrichtenagentur <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.epd.de/landesdienst/landesdienst-niedersachsenbremen/schwerpunktartikel/sieben-religionen-beten-gemeinsam-f">epd</a></span> sein langjähriges Engagement für das Bremer Friedensgebet der Religionen. „Gewaltherrscher missbrauchen religiöse Gefühle für Machtpolitik, ja als Waffe.“ Gerade darum sei das Friedensgebet der Religionen wichtig. (Foto: Bahá&#8217;í-Gemeinde Deutschland)</p>
<p><em>Ferdinand Rogge ist Mitglied der Bahá’í-Gemeinde in Bremen.</em></p>
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		<title>Australische Künstler erheben ihre Stimme für Bahá’í in Iran</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Dec 2012 13:23:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peter.amsler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[At the Vanishing Point - Contemporary Art]]></category>
		<category><![CDATA[Barry O'Farrell]]></category>
		<category><![CDATA[Brendan Penzer]]></category>
		<category><![CDATA[Catherine Cusack]]></category>
		<category><![CDATA[Crimson Ark]]></category>
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		<category><![CDATA[Shadi Eshragi]]></category>
		<category><![CDATA[Zhila]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein kluges und beliebtes Mädchen wird vor ihrer Klasse bloßgestellt und dann von der Schule verwiesen. Ein stiller und bescheidener Familienvater wird verhaftet. Eine Schwangere muss hinter Gittern ihr Kind zur Welt bringen. Ein angesehener Professor darf nicht mehr an der Universität forschen und lehren – diese und weitere Geschichten aus dem Leben der iranischen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a class="post_image_link" href="http://www.onecountry.de/2012/12/australische-kunstler-erheben-ihre-stimme-fur-bahai-in-iran/" title="Permanent link to Australische Künstler erheben ihre Stimme für Bahá’í in Iran"><img class="post_image alignleft" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/Sydney-e1355836488322.jpg" width="544" height="403" alt="Post image for Australische Künstler erheben ihre Stimme für Bahá’í in Iran" /></a>
</p><p><strong><em>Ein kluges und beliebtes Mädchen wird vor ihrer Klasse bloßgestellt und dann von der Schule verwiesen. Ein stiller und bescheidener Familienvater wird verhaftet. Eine Schwangere muss hinter Gittern ihr Kind zur Welt bringen. Ein angesehener Professor darf nicht mehr an der Universität forschen und lehren – diese und weitere Geschichten aus dem Leben der iranischen Bahá’í thematisieren derzeit iranische Künstler in Sydney.</em></strong></p>
<p>Die australische Künstlerin und Rechtsanwältin Shadi Eshragi bekam die Peitsche religiöser Verfolgung früh zu spüren. Als sie sechs Jahre alt war, wurde Shadi von ihrer Schule verwiesen – allein aufgrund der Zugehörigkeit ihrer Eltern zur iranischen Bahá’í-Gemeinde. Und sie erinnert sich noch gut an den Anruf ihrer Mutter, bei der Gelegenheit sie erfährt, dass das Grab ihrer Großmutter geschändet wurde. Nun bekam die in Sydney lebende Künstlerin die Möglichkeit, ihr kreatives Talent zu nutzen, um diese und ähnliche Fälle, die gerade in der Islamischen Republik Iran geschehen, der Öffentlichkeit nahezubringen.</p>
<a href="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/934_00.jpg"><img class="size-medium wp-image-475" title="934_00" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/934_00-300x209.jpg" alt="" width="300" height="209" /></a> Mehrzad Mumtahan
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Ausstellung <em>Crimson Ark</em> (Purpurrote Arche), zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern, deren Verwandte oder Freunde vom iranischen Regime unterdrückt und inhaftiert werden. Shadi Eshragi und die Schriftstellerin Maryam Master, die Fotografin Leila Barbaro und der Keramik- und Multimediakünstler Mehrzad Mumtahan erheben als Künstler mit ihren Werken gemeinsam ihre Stimme für die gerechte Behandlung aller iranischen Bürgerinnen und Bürger.</p>
<p><strong>Drei Künstler – drei Schicksale</strong></p>
<p>Mehrzad Mumtahan ist der Neffe eines der sieben, ehemals führenden Vertreter der Bahá’í in Iran. Die zwei Frauen und fünf Männer, auch als Yárán bekannt, sind seit Frühjahr 2008 inhaftiert und verbüßen jeweils eine 20-jährige Haftstrafe. Mit seiner Keramik-Skulptur <em>Turquoise Feet</em> vermittelt Mumtahan die Grausamkeit einer in Iran häufig verwendeten Strafe, bei der die Fußsohlen eines Gefangenen blutig geschlagen werden.</p>
<p><em>Cell Block 8</em> erzählt die Geschichte von Zhila, einer australisch-iranischen Bahá’í. Die Arbeit der Fotografin Leila Barbaro und der Autorin Maryam Master ruft in Erinnerung, wie Zhila ihren Jungen zur Welt brachte, als sie im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert war.</p>
<p>Shadi Eshragis Impuls für das Bild <em>Eternal Garden</em> kam nach einem Anruf aus Iran. Ihr wurde von der Schändung des Bahá’í-Friedhofs in Schiras berichtet, jener Friedhof, auf dem auch ihre Großmutter begraben liegt. „Die Arbeit“, so sagte sie, „stellt die grundlegende Frage: &#8216;Welcher Frieden bleibt für die Lebenden, wenn schon ihre Verstorbenen nicht in Frieden ruhen können?’“</p>
<p><strong>„Die Ausstellung bewegt durch ihre Glaubwürdigkeit“</strong></p>
<p>Unter den siebzig Gästen der Vernissage am 15. Dezember in der Galerie <em>At the Vanishing Point &#8211; Contemporary Art</em> in Newtown war auch Catherine Cusack, Mitglied des Landesparlamentes von New South Wales in Vertretung des Ministerpräsidenten Barry O&#8217;Farrell. Cusack beschrieb die Ausstellung als überaus wichtig, da sie die Wahrheit über Ungerechtigkeit und Unterdrückung ausspreche und durch ihre Glaubwürdigkeit bewege. „Auch wenn die Ausstellung eine erschreckende Unterdrückung auf der anderen Seite des Planeten zeigt, so ist sie, meine ich, dennoch sehr australisch – die Art, wie die Künstler zusammenfanden, sich austauschten, auf ihre Kreativität und ihr Geschick bauend ihre Sprache nutzten &#8230; direkt auf unsere Gefühle gerichtet.“</p>
<p>Brendan Penzer zeigt sich zufrieden über die bisherige Resonanz auf die Kunstwerke. Der Inhaber der Galerie ist stolz auf die Tradition, „Ausstellungen zu zeigen, die uns alle ermutigen, in einen Dialog und Diskurs über wichtige zeitgenössische kulturelle, politische, soziale und ökologische Themen zu treten.“ (<a href="http://news.bahai.org/story/934" target="_blank">BWNS</a>/pa/mit Material von <a href="http://www.bahai.org.au/NewsMedia/NewsStories/ArticleView/tabid/72/ArticleId/200/Experience-of-ongoing-persecution-inspires-art-works.aspx" target="_blank">bahai.au.org</a>; Fotos: Bobby Aazami/Fiona Gohari-Aazami)</p>
<p><em>Fotos der Vernissage gibt es auf <a href="http://www.facebook.com/media/set/?set=a.10151369031030883.542271.351303140882&amp;type=1&amp;l=4fcd963921" target="_blank">Facebook</a>.</em></p>
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		<title>Wer klopft an die Tür?</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Dec 2012 11:03:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peter.amsler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialog der Religionen]]></category>
		<category><![CDATA[Helmut N. Gabel]]></category>
		<category><![CDATA[Karamat]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Gelehrte, Mystiker und Dichter Djalal od-Din Rumi (1207-1273) wird auch &#8220;Prophet der Liebe&#8221; genannt. An seinem achthundertsten Geburtstag im Jahr 2007 gab es weltweit Feiern zu seinen Ehren. Die UNESCO ließ eigens eine Medaille mit seinem Konterfei prägen. In dem Hörbuch &#8220;Wer klopft an die Tür?&#8221; sind nun neun seiner Geschichten vereint.  von Helmut N. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a class="post_image_link" href="http://www.onecountry.de/2012/12/wer-klopft-an-die-tur/" title="Permanent link to Wer klopft an die Tür?"><img class="post_image alignleft" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/Wer-klopft-an-die-Tür-e1355915166724.jpg" width="570" height="484" alt="Post image for Wer klopft an die Tür?" /></a>
</p><p><em><strong>Der Gelehrte, Mystiker und Dichter Djalal od-Din Rumi (1207-1273) wird auch &#8220;Prophet der Liebe&#8221; genannt. An seinem achthundertsten Geburtstag im Jahr 2007 gab es weltweit Feiern zu seinen Ehren. Die UNESCO ließ eigens eine Medaille mit seinem Konterfei prägen. In dem Hörbuch &#8220;Wer klopft an die Tür?&#8221; sind nun neun seiner Geschichten vereint. </strong></em></p>
<p>von Helmut N. Gabel</p>
<p>Die wenigen Rezitatoren, die seinen in persischer Sprache verfassten Dichtungen ihre verborgenen Wirkungen entlocken können, sind selten zu hören. Wer in den Genuss kommt, einen Qawwal Gedichte großer Mystiker wie Rumi, Sa’adi oder Hafis rezitieren zu hören, berichtet von Sternstunden im Erleben innerer Wärme, starker Verbundenheit mit der Umgebung und einer Stärkung von Liebe und Schaffenskraft. Dafür sind die treffenden Inhalte der Dichtungen noch nicht einmal entscheidend, denn die Wirkung ist viel subtiler, geht mitten ins Herz der Hörer. Die Wirkung basiert auf der Kunst des Qawwal-Sängers, welcher die Worte beim Rezitieren rhythmisiert und zum Schwingen bringt. Diese Schwingungen erreichen und ernähren die Seele durch den Herzmuskel.</p>
<p>Rumi hat in einem seiner Hauptwerke, dem Masnavi, auch Jahrhunderte alte Geschichten eingestreut. Es sind Geschichten, die uns an das erinnern, was unser Menschsein ausmachen, die uns zum Schmunzeln bringen und Selbsterkenntnisse fördern. Über 400 Geschichten sind im Masnavi eingewebt. In dem Hörbuch &#8220;Wer klopft an die Tür?&#8221; sind neun dieser Geschichten vereint. Flöte und persische Rahmentrommel von Anne-Marie van den Bercken (Flöten, Zither, Gesang) und Eva-Mareike Knoche (Daf) bereichern die samtige Erzählstimme des WDR-Moderators Oliver Cech. Die Musik entführt in eine innige Stimmung zwischen Träumen und Wachen. Die Geschichten entfalten sich in ihrer Wärme und Bilderkraft zu wahren Perlen.</p>
<p>Eine Hörprobe? <a href="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/papagei_cech_karamat.eu_.wma" target="_blank">Der kahle Papagei.</a> Gelesen von Oliver Cech</p>
<p><em>Helmut N. Gabel arbeitet als Unternehmensentwickler und ist Dank seiner Tätigkeit in ständigem Austausch mit Menschen, die wirtschaften. Nebenbei setzt er sich für Menschenrechte im Iran und eine Belebung spiritueller Kultur in Europa ein. Seine Interessen liegen im Feld von Menschheitsgeschichte, Musik und Kultur. Das Hörbuch &#8220;Wer klopft an die Tür?&#8221; wurde vom Mehraby Verlag herausgegeben und ist ein Projekt des <a href="http://karamat.eu/start/" target="_blank">Karamat Vereins</a>. Mitglieder des Vereins arbeiten mit Musik, Kalligraphie, Poesie, veröffentlichen Bücher und CDs, geben Workshops, halten Vorträge und Dialogveranstaltungen, auch mit den Bahá&#8217;í in Deutschland.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Religionsfreiheit und ihre Grenzen</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Dec 2012 14:34:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peter.amsler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialog der Religionen]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<category><![CDATA[Walter Kindermann]]></category>

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		<description><![CDATA[Am vergangenen Sonntag gedachte die Bahá’í-Gemeinde Deutschland in Hofheim-Langenhain der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung vor 64 Jahren durch die UNO-Vollversammlung. Ein interreligiös besetztes Podium diskutierte darüber, was der Beitrag der Religionen für eine Kultur der Menschenrechte sein kann. Vorangegangen war eine Andacht im Bahá’í-Haus der Andacht für alle Menschen, die aus religiösen Gründen verfolgt werden. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a class="post_image_link" href="http://www.onecountry.de/2012/12/die-religionsfreiheit-und-ihre-grenzen/" title="Permanent link to Die Religionsfreiheit und ihre Grenzen"><img class="post_image alignleft" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/MG_9639_900x600-e1355149441709.jpg" width="570" height="380" alt="Post image for Die Religionsfreiheit und ihre Grenzen" /></a>
</p><p><strong><em>Am vergangenen Sonntag gedachte die Bahá’í-Gemeinde Deutschland in Hofheim-Langenhain der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung vor 64 Jahren durch die UNO-Vollversammlung. Ein interreligiös besetztes Podium diskutierte darüber, was der Beitrag der Religionen für eine Kultur der Menschenrechte sein kann. Vorangegangen war eine Andacht im Bahá’í-Haus der Andacht für alle Menschen, die aus religiösen Gründen verfolgt werden. Insbesondere wurde den Bahá’í in der iranischen Stadt Semnan gedacht, die seit Jahren besonders intensiv von den Menschenrechtsverletzungen der iranischen Regierung betroffen sind.</em></strong></p>
<p>„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollten einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“, heißt es in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der UNO-Vollversammlung verabschiedet wurde. Was dies in Bezug auf das Recht auf Religionsfreiheit und den interreligiösen Dialog bedeutet, wurde von einer interreligiös besetzten Runde auf Einladung der Bahá’í-Gemeinde Deutschland in Langenhain diskutiert.</p>
<p><strong>Das Fremde, das Eigene</strong></p>
<p>Kruzifix, Kopftuch, Beschneidung, Muezzinruf, Glockenläuten, Moscheebau, islamischer Religionsunterricht. Die Liste der kontrovers diskutierten religionspolitischen Themen ist in den letzten Jahren lang geworden.</p>
<p>Der Sprecher der Bahá‘í-Gemeinde Deutschland in Menschenrechtsfragen, Professor Ingo Hofmann, verglich zunächst das Thema Religionsfreiheit mit der gerade in Doha diskutierten Klimaschutzpolitik, für die beide gilt: auf der globalen Bühne können wir anmahnen, aber glaubwürdig sind wir nur durch Veränderung im eigenen Land. So sah er bei aller Unterschiedlichkeit der diskutierten Themen ein Grundproblem in der immer wieder gestellten Frage: „Können andere als die christliche und jüdische Religion zu unserem Land gehören?“ Obwohl das deutsche Grundgesetz christliche Wurzeln habe, kann unser Land heute nicht mehr nur durch den Glauben einer Mehrheit definiert werden, sagte Hofmann. Der Bahá‘í sah „unter der Oberfläche bestehende und bei bestimmten Anlässen sichtbar werdende Verwerfungen“ in der Wahrnehmung anderer Religionen. Als Beispiel führte er die aktuelle Debatte um die Beschneidung von Jungen im Judentum und Islam an. Vermeintlich Fremdes werde zu sehr betont und in Abgrenzung zum Eigenen gebracht statt es konstruktiv als Ausdruck der religiösen Vielfalt in diesem Land zu betrachten.</p>
<a href="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/MG_9605_900x6001.jpg"><img class="size-medium wp-image-463" title="_MG_9605_900x600" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/MG_9605_900x6001-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a> Dr. Martin Affolderbach
<p>&nbsp;</p>
<p>Hofmann stellte sich den Fragen von Ferah Aksoy-Burkert. Auch der Leiter des Arbeitsbereichs Islam und Weltreligionen im Kirchenamt der EKD, Dr. Martin Affolderbach, die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, die Bremer Islamwissenschaftlerin Caroline Neumüller, sowie der Abteilungsleiter Integration im Hessischen Ministerium für Justiz und Integration, Dr. Walter Kindermann, folgten der Einladung des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Deutschland.</p>
<p>Die Moderatorin spannte während des 90-minütigen, überaus kurzweiligen Podiumsgesprächs einen weiten Bogen vom aktuellen Sachstand des islamischen Bekenntnisunterrichtes in Hessen, über die Rolle der Kirchen und Religionsgemeinschaften in den gegenwärtigen Religionsdebatten bis hin zu Chancen und Herausforderungen eines religionsübergreifenden Gesprächs.</p>
<p><strong>„Vieles ist erstritten worden gegen die Kirche“</strong></p>
<p>Dr. Martin Affolderbach gab zu bedenken, dass die Christenheit nicht immer die Menschenrechte verteidigt habe. „Vieles ist erstritten worden sogar gegen die Kirche“, sagte er. Heute würdige die evangelische Kirche die Menschenrechte jedoch beispielsweise durch thematische Sonntagsgottesdienste am Internationalen Tag der Menschenrechte oder mit der religionsübergreifenden Ausrichtung der jährlichen Interkulturellen Woche. Sie interveniere gegen Menschenrechtsverletzungen auch regelmäßig bei Regierungen. Hinsichtlich der vermehrten christlichen Flüchtlinge aus den Ländern des Nahen Ostens müsse die Kirche aber noch „pluralitätsfähiger werden“, wie er meinte. Allzu oft werden Menschen aus islamisch geprägten Ländern als Fremde betrachtet, obgleich sie eigentlich als Christen zur Kirche gehörten. Im Osten Deutschland gebe es eine weitere „Lernsituation“. Hier seien Christen selbst Minderheit. Die Kirche frage sich nicht nur dort: „Wo hat Religion einen Mehrwert für die Gesellschaft?“</p>
<a href="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/MG_9580_900x600.jpg"><img class="size-medium wp-image-461" title="_MG_9580_900x600" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/MG_9580_900x600-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a> Dr. Walter Kindermann
<p>&nbsp;</p>
<p>Dr. Walter Kindermann stellte als Vertreter des Landes Hessen das Recht auf Religionsfreiheit in den Kontext hiesiger Kultur. „Nicht Fremde an sich machen Angst“, gab er zu bedenken, „sondern deren Umstände.“ Annäherung duch Kennenlernen und Neugier sei daher notwendig. „Es gibt auch eine größere Vielfalt als wir glauben“, führte er aus und verwies auf die vielen global tätigen Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet und hob auch die vielen Räte der Religionen hervor, die es mittlerweile im Land gebe.</p>
<p><strong>„Jeder muss die eigene Verantwortung für seinen Glauben wahrnehmen können“</strong></p>
<p>Der Staat mische sich hingegen nicht in theologische Fragen ein: „Wir prüfen nicht die Plausibilität religiöser Inhalte.“ Der Staat stelle aber Anforderungen auf Basis der Menschenrechte, die auch die Religionsgemeinschaften erfüllen müssten.</p>
<a href="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/MG_9596_600x900.jpg"><img class="size-medium wp-image-462" title="_MG_9596_600x900" src="http://www.onecountry.de/wp-content/uploads/2012/12/MG_9596_600x900-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a> Dr. Caroline Neumüller
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Bremer Islamwissenschaftlerin Dr. Caroline Neumüller war es wichtig zu betonen, dass auch der Islam eine Freiheit im Glauben kenne, die den Ansprüchen der Menschenrechte gerecht werde. „Jeder muss die Verantwortung, seine eigene Verantwortung, für seinen Glaubens wahrnehmen können“, betonte sie. Der Liberal-Islamische Bund wolle dafür Sorge tragen, dass die Stimmen der muslimischen Bürgerinnen und Bürger mehr gehört werden, die in den bisherigen Debatten und politischen Prozessen in Deutschland nicht angemessen vertreten sind. Gefragt, was sie dachte, als sie die Einladung zum Bahá’í-Haus der Andacht erhielt, meinte sie: „Ich hatte mich schon gefragt, ob man mir als Muslimin kritisch begegnen wird“. Schließlich werden die Bahá’í in islamisch geprägten Ländern verfolgt.</p>
<p><strong>Fall Semnan</strong></p>
<p>Um die Verfolgung der Bahá’í in Semnan ging es in der interreligiös ausgerichteten Andachtsversammlung im Bahá’í-Haus der Andacht. Seit 2009 werden dort, im Norden des Landes, iranische Bahá’í immer wieder angegriffen und auf Schritt und Tritt überwacht. Mindestens dreißig Bahá’í sind in den letzten drei Jahren verhaftet worden, einige verbüßen langjährige Haftstrafen. Ihre Wohnhäuser und Geschäfte wurden in Brand gesetzt oder mussten schließen. Geistliche predigen Hass und selbst Kinder werden schikaniert. Der Bahá’í-Friedhof wurde geschändet.</p>
<p>„Semnan ist das extremste Beispiel dafür, dass Menschen Schwierigkeiten haben, ihnen Fremdes zu akzeptieren“, betonte Professor Hofmann in dem Gespräch. „Aber auch in Deutschland kann die Tatsache, dass es seit über einhundert Jahren Bahá’í im Land gibt, Prüfstein sein, inwieweit religiöse Vielfalt Anerkennung findet. So sollte auch der islamische Bekenntnisunterricht im Zeichen der Menschenrechte stattfinden und an der Existenz der Bahá’í nicht vorbei gehen.“ (pa, Fotos: Daryioush Talebi. Auf dem Titelbild sind zu sehen: v.l.n.r. Dr. Martin Affolderbach, EKD; Dr. Wafa Enayati, Generalsekretär der Bahá&#8217;í-Gemeinde Deutschland; Dr. Caroline Neumüller, Liberal-Islamischer Bund; Dr. Walter Kindermann, Hessische Landesregierung; Ferah Aksoy-Burkert, Moderation; Prof. Ingo Hofmann, Bahá&#8217;í-Gemeinde Deutschland.)</p>
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